venenchirurgie

Behandlungsmethoden



Bei nachgewiesenen Klappendefekten der oberflächlichen Stammvenen wird in der Regel deren operative oder interventionelle ( d.h. mittels Katheter oder Injektion) Ausschaltung erfolgen. Die umfassende Ausbildung und der hohe Spezialisierungsgrad unseres Teams erlauben eine nahezu komplikationslose Durchführung dieser Maßnahmen. Es kommen vier unterschiedliche Verfahren zum Einsatz:

Die Standard-Operation

In der Hand des geübten Spezialisten ist die Krampfadernoperation ein risikoarmer Eingriff. Seltene Komplikationsmöglichkeiten sind allenfalls Wundheilungsstörungen, Blutergüsse oder vorübergehende umschriebene Gefühlsstörungen.

Kernpunkt der Krampfadernoperation ist in der Regel die Ausschaltung der nicht schließenden Mündungsklappe (sog. Crossektomie), sowie die Entfernung des defekten (insuffizienten) Abschnitts der Stammvene. Ferner werden die größeren erweiterten Seitenäste entfernt, sowie weitere insuffiziente Verbindungen zu den tiefen Venen (Perforansvenen) verschlossen. Dieses Vorgehen führt zu einem kompletten Verschwinden der Krampfadern und verhindert weitestgehend ein Wiederauftreten.

Die Wahrscheinlichkeit einer Thrombose liegt bei der Krampfadernoperation bei unter 1% und damit um ein Mehrfaches niedriger als z.B. bei einer Kniegelenksspiegelung.

Über die Details der Operation und ihre Risiken wird Sie Ihr Operateur in einem persönlichen Gespräch aufklären und Ihre diesbezüglichen Fragen ausführlich beantworten.

Der Eingriff kann in Vollnarkose oder in Rückenmarks- (Spinal-) narkose erfolgen. Bei weniger ausgedehnten Befunden kann auch nur das betroffene Bein betäubt werden oder sogar eine örtliche Betäubung angewendet werden. Hierüber wird der Narkosearzt mit Ihnen vor dem Eingriff persönlich sprechen.

Die Operation erfolgt heutzutage in der Regel ambulant. Stationär werden Operationen an beiden Beinen, Rezidivoperationen durchgeführt oder bei Patienten mit Begleiterkrankungen wie Diabetes, Herzrhythmusstörungen, Asthma etc. Auch alleinstehende Patienten können nicht ambulant operiert werden.


Thermische endovenöse Verfahren: Radiowelle und Radial-Laser

Seit einigen Jahren gibt es als Alternative zum Stripping noch schonendere Verfahren, bei denen ein Katheter in die erkrankte Stammvene eingeführt wird. Unter Ultraschallsteuerung wird dieser bis zur Mündung in der Leiste bzw. in der Kniekehle vorgeschoben. Anschließend wird die Vene über den Katheter erhitzt. Unter langsamem Rückzug verödet und verschließt der Katheter so die gesamte Vene.
Dieses Verfahren nennt man thermische Ablation. Wir wenden zwei verschiedene dieser Verfahren an: Das Radiowellenverfahren und den Radial-Laser. Beide Verfahren sind inzwischen als gleich gut zu bezeichnen. Jedes führt zu einem sicheren schonenden Verschluss der erkrankten Vene. Jedes der beiden Verfahren hat dabei spezifische technische Vorteile, nach denen wir das Verfahren dann für jeden Patienten auswählen.

Der entscheidende Vorteil gegenüber der Standard-Operation sind die geringeren postoperativen Beschwerden aufgrund fehlender Hämatom(=Bluterguss)bildung. Die Arbeitsunfähigkeit reduziert sich hierdurch auf 2-3 Tage. Die Erfolge sind mit denen der Stripping-Operation vergleichbar, bzw. diesen überlegen. So ist insbesondere die Tendenz zur Gefäßneubildung geringer. Nicht angewendet werden kann das Verfahren bei sehr oberflächlichem und geschlängeltem Venenverlauf. Besonders von der Methode profitieren Patienten, die wegen gravierender Begleiterkrankungen nicht für eine Standard-Operation in Frage kommen.
Die thermischen Katheterverfahren können in örtlicher Betäubung oder Allgemeinnarkose durchgeführt werden, je nach Wunsch und Situation des Patienten und je nachdem, ob zusätzlich erweiterte Seitenastvenen auf konventionellem Wege entfernt werden müssen.
Das Verfahren wird grundsätzlich nur ambulant durchgeführt.



Das "Venaseal"-Verfahren

Bei diesem neuesten und gleichzeitig schonendsten Verfahren zur Behandlung der Stammvarikose wird über einen dünnen Katheter ein spezieller Gewebekleber in die erkrankte und erweiterte Vene eingebracht. Dieser verklebt die Vene dauerhaft, sie wird dann vom Körper in einen bindegewebigen Strang umgebaut. Der Kleber (Cyanoacrylat) wird bereits seit Jahrzehnten in der Medizin eingesetzt: Er wird zum Verschluss von Gefäßtumoren, sog. AV-Malformationen im Gehirn eingesetzt. Findige amerikanische Ärzte kamen auf die Idee, sich diese Erfahrungen bei der Behandlung von Krampfadern zunutze zu machen.

Das Verfahren wird in Europa seit über 2 Jahren in spezialisierten Zentren eingesetzt, in Deutschland in 3 Zentren (Berlin, Hamburg, Mannheim). Über 1000 Patienten wurden hier bislang behandelt. Die Erfolgsquote in Bezug auf den Verschluss der Vene ist nahe 100 % und entspricht der des etablierten Radiowellenverfahrens. Die europäische Multicenterstudie eSCOPE mit höheren Patientenzahlen zeigt ähnliche Ergebnisse. In den USA wurde das Verfahren im Rahmen der nationalen Zulassungsstudie prospektiv randomisiert gegen das Radiowellenverfahren getestet und ist bezogen auf die Verschlussrate diesem nach einem Jahr sogar leicht überlegen.

Dr. med. Bernheim hat dieses Verfahren Anfang 2013 als erster Gefäßspezialist in München eingeführt und wendet es seither regelmäßig erfolgreich an.
Diese Methode kann ohne Schnitt, ohne Narkose - auch ohne Lokalanästhesie – durchgeführt werden, erfordert keine Kompression und ist auch für oberflächlich verlaufende Gefäße geeignet. Eine Beschädigung von begleitenden Nerven kann - im Unterschied zum Stripping, Laser oder zur Radiowelle – nicht vorkommen.

Wichtig bleibt dennoch, dass der Eingriff von einem erfahrenen Gefäßspezialisten in einem hochsterilen modernen OP-Zentrum durchgeführt wird.
Die Sachkosten des Verfahrens sind im Augenblick noch vergleichsweise hoch. Die privaten Krankenkassen erstatten es allerdings ihren Versicherten fast ausnahmslos. Es fallen dafür Kosten für Anästhesie weg und es entsteht in der Regel kein Arbeitsausfall.



Die Schaumsklerosierung

Bei diesem Verfahren, das in Italien entwickelt wurde und seit etwa 10 Jahren zunehmend zum Einsatz kommt, wird ein Schaum, der unmittelbar zuvor aus dem lang bekannten Verödungsmittel Polidocanol und Luft erzeugt wurde, unter Ultraschallkontrolle in die defekte Vene gespritzt. Der Schaum füllt die Vene und zerstört während der Einwirkzeit (ca. 5 min) ihre Innenschicht. Die Vene thrombosiert in der Folge und bleibt im Optimalfall dauerhaft verschlossen.

Der Primär- und der Langzeiterfolg liegt allerdings niedriger als beim Radiowellen-Verfahren. Andererseits kann man den wenig aufwändigen und kaum schmerzhaften Vorgang unproblematisch wiederholen. Die unerwünschten Nebenwirkungen des Verfahrens können Hautverfärbungen (bei oberflächlichem Venenverlauf) sein und vorübergehende neurologische Erscheinungen sein wie Kopfschmerzen oder Sehstörungen.

Für die Schaumsklerosierung ist keinerlei Betäubung erforderlich. Sie erfolgt in der Praxis und zieht keinen Arbeitsausfall nach sich.

Die exakte, vom Chirurgen selbst vorgenommene Diagnostik inklusive der unmittelbar präoperativen Markierung mittels Farbduplexsonographie führt zu einer sehr niedrigen Rezidivquote.

Große Erfahrung hat Dr. Bernheim in der Behandlung von Rezidiv- (wieder aufgetretener) Varizen bei andernorts unzureichend ausgeführter Erstoperation. Bei diesen bisweilen problematischen Befunden bietet sich oft eine Kombination der vier genannten Verfahren an, um einen nachhaltigen Erfolg auf möglichst schonende Weise zu erzielen.

Ein sparsameres operatives Vorgehen (z.B. die vielzitierte Chiva-Methode) kann in Einzelfällen angewandt werden, ist jedoch mit einem höheren Rezidivrisiko verbunden.

Durch die genannten Verfahren in Kombination mit konservativen entstauenden Maßnahmen werden häufig offene Stellen (Ulcus cruris) zur Abheilung gebracht, in einzelnen Fällen können operative Abtragung und plastische Deckung durch Hauttransplantation erforderlich werden.


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